Rezension: FAIRreisen statt Verreisen von deepertravel


FAIRREISEN statt Verreisen

Mit der Veröffentlichung des E-Books  FAIRreisen statt Verreisen ist es Eva Garderer und Robert M. Bichler von www.deepertravel.de gelungen die wichtigsten und zentralsten Punkte rund um individuelle (Langzeit-)reisen zusammenzubringen. Dabei verknüpfen sie eng die Themen des individuellen Reisens und des Volunteerings, bzw. ehrenamtlicher oder freiwilliger Arbeit im Ausland. Nichtsdestotrotz ist das Buch sicherlich auch für Individualreisende ohne Ambitionen eines Freiwilligendienstes hilfreich.

 

Praktisch für die Praxis

Dem Buch FAIRreisen statt Verreisen gelingt es dabei besonders gut als ganz praxisnaher Leitfaden von der Idee bis zur Abreise zudienen und kann die Leser Kapitel für Kapitel durch die verschiedenen Schritte einer selbstorganisierten Freiwilligenreise führen. Für viele Leser sind sicherlich auch die Checklisten und Übersichten besonders hilfreich – so kann sichergestellt werden, dass alle wichtigen Dinge bei der Reise berücksichtigt werden.
Es ist dem Buch anzumerken, dass die Autoren viel ihrer eigenen Reiseerfahrung in dem Buch festgehalten haben, so dass es sicherlich insbesondere für junge, unerfahrene Reisende hilfreich sein wird. Auch für Lesende, die sich bisher noch nicht mit dem Thema “Volunteering” auseinandergesetzt haben, ist der kurze historische Abriss und die Klarstellung der verschiedenen Begrifflichkeiten sicherlich ausgesprochen hilfreich.

 

Besonders wichtig: Die Perspektive

Drei Punkte aus diesem Buch sind besonders hervorzuheben: Im Gegensatz zu vielen anderen Webseiten und Publikationen fokussieren die Autoren bei dem Thema der Freiwilligenarbeit nicht auf den Aspekt des Helfens, sondern des Lernens und geben dem Lesenden deutlich zu verstehen, dass der Anspruch einen touristischen Reise mit den Tätigkeiten eines “kleinen Entwicklungshelfenden” zu verbinden etwas unmögliches ist. Diese neokolonialen Perspektiven des “weißen Heilsbringers” können gar nicht oft genug hinterfragt werden. Auch die Tatsache, dass Freiwilligenarbeit nicht nach der Rückkehr ins Heimatland enden sollte findet ebenfalls ausreichend Erwähnung.
Zweitens lässt es auch den Lesenden die eigene Rolle als Reisenden reflektieren, etwa beim Thema des Fotografierens. Die hier notwendige Sensibilität wird ausdrücklich eingefordert und sollte jedem Lesenden deutlich machen, dass eine Freiwilligenreise nicht mit einer Fotosafari zu verwechseln ist.
Ebenfalls besonders hervorzuheben ist auch, dass die die Autoren großen Wert auf die Umweltverträglichkeit des Reisens legen beziehungsweise den Lesenden für diesen wichtigen Punkt der Reise sensibilisieren und Möglichkeiten zur Kompensation von Klimaschäden aufzeigen.

 

Im Zusammenhang

Das Buch ist eine gute Ergänzung zur individuellen Vorbereitung und hilft bei der Orientierung. Es muss aber festgehalten werden, dass es eine strukturierte Vorbereitung, wie man sie aus staatlich-geförderten Freiwilligenprogrammen kennt, keineswegs ersetzen kann. Es ist schade, dass zentrale Themen wie postkoloniale Kritiken oder auch die Herausforderungen von Kulturschock erst am Ende des Buches quasi als “Bonus” Erwähnung finden, da diese doch für das Für und Wieder einer Freiwilligenreise ganz zentrale Entscheidungskriterien sind. Im Gegensatz dazu ist das Buch ein gutes Hilfsmittel für den bereits entschiedenen Reisenden und geht somit der grundsätzlichen Sinnfrage von Freiwilligenreisen aus dem Weg. Zwar gibt es schon ein Kapitel in dem die Lesenden aufgefordert werden zu evaluieren ob Sie persönlich zu einer Freiwilligenreise bereit bzw. in der Lage sind, hier geht es aber vor allem um die persönlichen Aspekte der Reisenden. Chancen und Potentiale einer solchen Reise werden deutlich benannt, mögliche Gefahren und Risiken aber nur durch eine “NoGo” Liste konkretisiert. Da es sich bei diesem Buch um einen Leitfaden mit möglichst praxisnaher Orientierung handelt, ist diese Entscheidung auch gut erklärbar und nachvollziehbar.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das E-Book für den unerfahrenen Individualreisenden eine sehr große Hilfe darstellen wird und zum Mindeststandard einer jeden persönlichen Vorbereitung werden sollte.

Mehr zum Buch FAIRreisen statt Verreisen ist auf der Seite der Autoren unter https://deepertravel.de/ebook-fairreisen/ zu finden.

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About Daniel Großbröhmer

Daniel is currently working as adviser for several local and international NGO in Myanmar. He covers topics like impact orientation, monitoring and evaluation and organizational development. Before moving to Myanmar he has been working for seven years at one of Europe's biggest private funded NGOs and was in charge for the impact measurement and development of volunteer services. He is consulting governmental agencies and NGOs in how to improve the quality and administration of volunteer services. Daniel spend one years as a volunteer in Brasil and has working experience in Cameroon and Angola. He studied French, Portuguese and Economics in Germany and France and completed his MBA in Berlin and Cambridge in 2015.

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